Ersatzneubau Wohnhaus Ettenhausen

Das Projekt thematisiert die innere Verdichtung im ländlichen Kontext und untersucht, wie zusätzlicher Wohnraum im Weiler geschaffen werden kann, ohne dessen Massstäblichkeit und räumliche Identität zu verlieren. Ausgangspunkt war eine bestehende Scheune innerhalb einer gewachsenen Dorfstruktur. Der Erhalt und Umbau des Bestands wurden vertieft geprüft; aufgrund der konstruktiven Situation und der teilweise maroden Bauteile fiel der Entscheid jedoch zugunsten eines Ersatzneubaus.

Der Neubau versteht sich weniger als neues Objekt, denn als Weiterführung der vorhandenen Typologie. Die räumliche Präsenz des ursprünglichen Baukörpers bleibt erhalten; verdichtet wird nicht über zusätzliche Masse, sondern über eine präzise Neuinterpretation des Vorgefundenen. Begleitet und mitgeprägt wurde der Prozess durch den Fachberater der Denkmalpflege, dessen kritischer Blick wesentlich zur Schärfung des Projekts beitrug. Auch materiell orientiert sich der Neubau eng am Bestand. Holzfassade, Dachziegel und der massive Sockel knüpfen an die ursprüngliche Scheune an und übersetzen deren Charakter in eine zeitgemässe Konstruktion. Für eine differenzierte Tektonik, welche die Logik des ursprünglichen Massivsockels weiterführt, wurde der Holzrahmenbau im Bereich der Nebenräume mit Mineralfaserplatten verkleidet.

Besonderes Augenmerk galt dem Weiterverwenden bestehender Elemente. Die Aussentreppe der ehemaligen Scheune – zuvor eher ein beiläufig angefügter Fremdkörper – wird zum identitätsstiftenden Fragment der Erinnerung und bildet heute das zweitälteste Bauteil des Hauses. Im Ersatzneubau ermöglicht sie den externen Zugang zum Obergeschoss und damit eine weitere programmatische Bespielung der Räume. Auch eine traditionelle Aussenleuchte wurde weiterverwendet. Innenräumlich orientiert sich das Gebäude an den bestehenden Ebenen der Scheune. Dadurch entstehen versetzte Raumfolgen mit fliessenden Übergängen und einer selbstverständlichen Grosszügigkeit. Ein überhoher Tenn-Raum bildet dabei das räumliche Zentrum des Hauses und erinnert an die ursprüngliche Nutzung der Scheune, ohne diese direkt zu inszenieren. Präzise gesetzte Öffnungen und offene Holzrahmen verbinden die Räume untereinander und machen das Haus als räumliches Kontinuum erfahrbar. Grosse Fensteröffnungen erweitern diese Beziehungen nach aussen und binden Ausblicke und Landschaft in das räumliche Gefüge ein. Konstruktiv ist das Gebäude als Holzelement-, beziehungsweise Holzrahmenbau mit massiven Holzdecken ausgebildet. Besonders in den Erschliessungs- und Dielenräumen treten diese unverkleidet in Erscheinung und prägen die Atmosphäre des Hauses durch ihre unmittelbare Präsenz.

Die grosszügigen Vordächer verstehen sich nicht nur als funktionaler Witterungsschutz, sondern als Angebot zur individuellen Aneignung. Sie schaffen Übergangszonen zwischen Innen und Aussen und eröffnen Raum für informelle Nutzungen, alltägliche Aktivitäten und ein offenes Zusammenleben innerhalb des Weilers. Die Aussenräume – sehr klein in ihren Abmessungen – knüpfen nahtlos and die Nachbarschaft an und definieren grosszügige Zwischenbereiche über die Parzellengrenze hinaus.

Der Umgang mit dem Vorgefundenen versteht sich nicht als nostalgische Rekonstruktion, sondern als Teil einer architektonischen Haltung, die Bestand, Material und Atmosphäre als Ressource begreift. Das Projekt positioniert sich damit innerhalb aktueller Diskurse zu Umbaukultur, Suffizienz und ortsspezifischer innerer Verdichtung.

2025–2026 / Projektentwicklung

Bauherr / -
Programm / Wohnungsbau
Budget / -
BGF / 212m2
Fotografie / Roland Bernath

mazzapokora: Neubau Schüür Ettenhausen
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